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Wenn die Totenglocken läuten: Leere Gräber unter der Erde

Ein alter Friedhof voller Geschichten

Der alte Friedhof am Stadtrand war ein Ort, den man eher mied. Zwischen schiefen Grabsteinen und verwitterten Engeln kroch der Nebel, und nachts knarrten die Äste der alten Bäume wie Stimmen.

Leon, der Friedhofswärter, war daran gewöhnt. Er kannte jedes Grab, jeden Weg. Besonders stolz war er auf eine Kuriosität: Die Glocken.

An manchen alten Gräbern ragten kleine Rohre aus der Erde, an deren Ende eine kleine Messingglocke hing. „Sicherheitseinrichtungen aus alter Zeit“, erzählte er gern. „Früher hatte man Angst, lebendig begraben zu werden. Wer noch lebte, konnte klingeln.“

Natürlich läutete seit Jahrzehnten keine dieser Glocken.

Eine unheimliche Nacht auf dem Friedhof

In dieser Nacht fegte ein kalter Wind über die Gräber. Leon schloss gerade das kleine Wärterhaus ab, als er es hörte: ein leises Klingen.

Er blieb stehen. Die Luft war ruhig, doch das Läuten kam wieder – diesmal von mehreren Seiten.

Ding … ding … ding …

Leon lief los. Die Glocken an drei Gräbern bewegten sich. Erst leise, dann lauter, als würde jemand hektisch daran ziehen.

„Das kann nicht sein“, murmelte er. Die Gräber waren über hundert Jahre alt, längst versiegelt.

Dann läuteten weitere Glocken. Ein halbes Dutzend.

Hilfe holen

Leon rannte ins Wärterhaus, griff nach dem Telefon. Sein Kollege Tom, der gerade auf der anderen Seite des Friedhofs war, meldete sich atemlos:

„Hörst du das auch?“

„Ja! Wir müssen nachsehen. Bring Werkzeug.“

Mit Schaufeln und Brechstangen machten sie sich an das erste Grab. Der Nebel war so dicht, dass sie kaum fünf Meter sehen konnten. Die Glocke am Rohr klingelte, unablässig.

„Hallo?!“, rief Leon in das Rohr. „Ist da jemand?“

Keine Antwort. Nur das Läuten.

Die Gräber werden geöffnet

Sie begannen zu graben. Der Boden war feucht, schwer, doch die Glocke hörte nicht auf. Nach fast einer Stunde stießen sie auf den alten Sargdeckel.

Mit Mühe hoben sie ihn an.

Leer.

Der Sarg war leer. Kein Skelett, kein Stoff, nur Erde.

„Das ist unmöglich“, flüsterte Tom.

Die Glocken läuteten weiter, jetzt noch mehr, wie ein unsichtbarer Chor.

Alle Gräber sind leer

Sie liefen von Grab zu Grab, öffneten einen zweiten, einen dritten Sarg. Alle waren leer.

„Die Knochen … alles weg“, sagte Leon. Sein Gesicht war blass. „Das kann nicht sein. Wer sollte …?“

Dann hörten sie es. Ein Kratzen. Ganz leise, wie Fingernägel, die über Holz streichen. Es kam aus der Erde, tiefer als jedes Grab.

Die Glocken verstummten gleichzeitig.

Der letzte Klang

Leon und Tom erstarrten.

Dann, irgendwo unter ihren Füßen, ertönte eine einzelne Glocke – dumpf, als käme sie aus großer Tiefe.

Ding.

Ding.

Und dann Stille.

Als am nächsten Morgen die Polizei kam, fand sie offene Gräber, leere Särge und Spuren, als hätte die Erde von unten gedrückt.

Von Leon und Tom fehlte jede Spur.

Und manchmal, sagen die Leute, hört man im Wind ein fernes Läuten – als würde unter der Erde jemand ganz langsam an einer Glocke ziehen.

Portrait des Autors
Autor · SEO · Nerd

Matt Pülz

Matt ist SEO mit einer Leidenschaft für das Schreiben. Er liebt Horrorgeschichten und kreatives Schreiben im Allgemeinen.

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