Das Geheimnis der schlaflosen Puppe
Mädchen bekommt eine neue Puppe
Mila bekam die Puppe an einem regnerischen Nachmittag. Ihre Oma hatte sie auf dem Dachboden gefunden, in einer alten Kiste zwischen Decken und vergessenen Spielsachen.
Die Puppe trug ein hellblaues Kleid mit kleinen Knöpfen und hatte braune Locken aus Garn. Ihr Gesicht war aus Porzellan, ganz glatt, mit großen Augen, die freundlich wirkten.
„Sie ist schon sehr alt“, sagte Oma. „Aber sie hat sicher viel gesehen.“
Mila stellte die Puppe auf ihr Regal, direkt neben ihr Bett.
„Du kannst hier schlafen“, sagte sie leise.
Die Puppe antwortete nicht. Natürlich nicht.
In der Nacht passiert etwas Seltsames
In der ersten Nacht wachte Mila auf, weil der Wind leise am Fenster rüttelte. Ihr Zimmer war dunkel, nur der Mond schien hinein.
Mila drehte den Kopf – und hielt den Atem an.
Die Puppe sah sie an. Oder… hatte sie das eben getan?
Mila war sich sicher: Die Augen der Puppe waren gerade zu gewesen. Jetzt waren sie offen.
„Das bilde ich mir ein“, flüsterte Mila und zog die Decke bis zum Kinn.
Doch kurz bevor sie wieder einschlief, sah sie es noch einmal. Die Puppe blinzelte.
Ganz langsam. Nur einmal.
Mädchen beobachtet die Puppe
Am nächsten Abend konnte Mila kaum einschlafen. Sie tat so, als wäre sie müde, ließ aber die Augen ein kleines bisschen offen.
Der Mond stieg höher. Der Raum wurde still.
Dann bewegten sich die Augen der Puppe wieder. Blinz. Blinz.
„Warum blinzelst du?“ fragte Mila leise.
Die Puppe sagte nichts. Aber ihr Gesicht wirkte plötzlich traurig.
Mila setzte sich auf. „Du musst keine Angst haben“, sagte sie. „Ich bin da.“
Die Puppe hörte auf zu blinzeln.
Das Geheimnis der Puppe
In der dritten Nacht nahm Mila all ihren Mut zusammen. Sie stand auf, ging zum Regal und setzte die Puppe auf ihr Bett.
„Willst du mir etwas sagen?“ fragte sie.
Da hörte Mila etwas ganz Leises. Kein Wort – eher ein Seufzen.
Und plötzlich wusste Mila es einfach.
Die Puppe war einsam.
Niemand hatte lange mit ihr gespielt. Niemand hatte ihr zugehört. Tagsüber war sie nur ein Spielzeug. Aber nachts… da wachte sie auf.
„Du kannst bei mir bleiben“, sagte Mila. „Du darfst blinzeln. Ich hab keine Angst mehr.“
Die Puppe lächelte ein kleines bisschen.
Eine Freundschaft bei Nacht
Von da an war es anders. Die Puppe blinzelte jede Nacht, aber Mila erschrak nicht mehr.
Manchmal erzählte Mila ihr Geschichten. Manchmal hielt sie ihre kleine Porzellanhändchen. Dann blinzelte die Puppe ganz langsam, als würde sie „Danke“ sagen.
Am Morgen war sie wieder ganz still. Wie eine normale Puppe.
Aber Mila wusste es besser.
Gute Nacht, kleine Puppe
Eines Abends stellte Mila die Puppe auf ihr Kopfkissen.
„Heute darfst du hier schlafen“, sagte sie.
In dieser Nacht träumte Mila von einem warmen Dachboden, von Lachen und Spielzeug, und von einer Puppe, die endlich nicht mehr allein war.
Als Mila am Morgen aufwachte, lag die Puppe still neben ihr. Die Augen geschlossen.
Aber Mila war sicher: In der nächsten Nacht würde sie wieder blinzeln.
Und Mila würde da sein.
