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Das Haus ohne Fenster: Werde ein Teil des Ganzen

Studentin mietet altes Haus am Stadtrand

Ich war verzweifelt. Die Mieten in der Stadt waren unbezahlbar. Mein Bafög reichte hinten und vorne nicht.

Als ich das Angebot sah – ein kleines, freistehendes Haus am Rand der Stadt, für weniger als ein WG-Zimmer kostete – schlug ich sofort zu.

Der Makler wirkte nervös, als er mir die Schlüssel übergab. „Sind Sie sicher, dass Sie hier wohnen wollen?“, fragte er. Ich nickte. Die Fassade war alt, grauer Putz bröckelte ab. Aber es hatte etwas Charmantes.

Innen war alles erstaunlich sauber. Ein langer Flur, kleine Zimmer, eine Treppe in den Keller.

Doch eines fiel mir sofort auf: Keine Fenster. Nirgends. Nur kahle Wände.

Der Makler erklärte knapp: „So wurde es gebaut.“ Ich lachte unsicher. Mir war es egal – es war billig.

Türen verriegeln sich ohne Zutun der Studentin

Die ersten zwei Nächte verliefen ruhig. Ich gewöhnte mich an die Dunkelheit und beleuchtete alles mit Lampen.

In der dritten Nacht wachte ich plötzlich auf. Ein metallisches Klick hallte durch den Flur.

Ich wollte mir ein Glas Wasser holen – doch meine Zimmertür war verschlossen. Von innen. Der Riegel bewegte sich nicht.

Panik schoss durch meinen Körper. Ich rüttelte, klopfte, schrie. Nichts half.

Nach einer Stunde gab die Tür plötzlich nach, als wäre nie etwas gewesen.

Am nächsten Morgen prüfte ich jede Tür im Haus. Alle ließen sich problemlos öffnen.

Aber in der folgenden Nacht passierte es wieder. Diesmal hörte ich gleich mehrere Klicks.

Alle Türen. Verriegelt. Ich war gefangen.

Stimmen flüstern durch kalte Wände

Tagsüber wirkte das Haus still, fast beruhigend.

Doch sobald die Dunkelheit kam, begann es zu leben.

Zuerst hörte ich ein Kratzen. Leises Schaben hinter der Wand. Dann Stimmen.

Zischendes Flüstern, das von überall kam, ohne Quelle, ohne Richtung.

Wörter, die ich kaum verstand. Zerrissene Sätze, unterbrochen von Kichern. „Bleib… bei uns…“

Ich presste mir die Hände auf die Ohren. Ich drehte die Musik auf. Doch nichts half.

Das Flüstern kroch in meinen Kopf.

Manchmal hörte ich meinen eigenen Namen, geflüstert mit hundert verschiedenen Stimmen.

Ich traute mich kaum noch zu schlafen. Jede Nacht schien länger. Das Haus enger. Die Luft schwerer.

Ich fühlte mich wie eine Maus in einer Falle.

Schatten folgen junger Frau durch dunkle Flure

Eines Abends ging ich auf Toilette. Der Flur lag im Dämmerlicht. Nur eine kleine Lampe brannte.

Aus dem Augenwinkel sah ich etwas. Einen Schatten.

Er bewegte sich, obwohl ich stillstand.

Ich rannte ins Bad und verriegelte die Tür.

Das Licht flackerte.

Auf den Fliesen erschienen nasse Fußspuren, obwohl ich alleine war.

Sie führten direkt zur Tür – und blieben dort stehen.

Als ich sie später öffnete, war der Flur leer.

Doch ich spürte es deutlich: Etwas war hier mit mir. Etwas, das nicht gehen wollte.

Keller enthüllt eingemauerte Skelette

Schlaflos und verzweifelt wagte ich mich in den Keller.

Ich wollte endlich wissen, was mit diesem Haus nicht stimmte.

Die Treppe knarrte. Die Luft roch nach Moder.

Mit der Taschenlampe leuchtete ich in den Raum – und erstarrte.

An den Wänden waren Spuren. Kratzer. Fingernägel, die verzweifelt Beton aufgerissen hatten.

Ich folgte dem Licht meiner Lampe – und sah es:

Knochen. Schädel, halb aus der Mauer ragend. Augenhöhlen leer und schwarz.

Ganze Skelette, eingemauert, als Teil der Wände.

Das Flüstern schwoll an, wurde lauter, klarer.

„Jetzt du… jetzt du…“

Wände schließen sich um Körper der Studentin

Ich stürzte zurück. Stolperte. Doch die Tür nach oben war verschwunden.

Stattdessen glatte Wand. Die Stimmen schrien nun. Ein Chor der Verdammten.

Das Licht meiner Lampe erlosch. Finsternis verschluckte mich.

Dann spürte ich es: Die Wände bewegten sich. Erst kaum merklich, dann unerbittlich.

Sie rückten näher. Zentimeter für Zentimeter. Kalter Stein drückte gegen meine Arme. Meine Beine.

Ich schrie. Riss mir die Kehle wund. Doch niemand hörte mich.

Ich fühlte Knochen neben mir. Spürte den kalten Atem derer, die hier vor mir gefangen waren.

Die letzte Erkenntnis brannte sich in meinen Kopf:

Ich war nicht Mieterin dieses Hauses. Ich war die Beute. Und nun würde ich selbst Teil der Wände werden – für immer.

Portrait des Autors
Autor · SEO · Nerd

Matt Pülz

Matt ist SEO mit einer Leidenschaft für das Schreiben. Er liebt Horrorgeschichten und kreatives Schreiben im Allgemeinen.

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