Der Mitfahrer: Gruseliger Clown sitzt nachts auf der Rückbank
Autofahrt durch eine stille Nacht
Martin war müde. Zu lange hatte er gearbeitet, zu spät war er losgefahren. Jetzt zog sich die Landstraße endlos durch Wälder und Felder. Nur das Licht seiner Scheinwerfer durchschnitt die Dunkelheit.
Die Uhr im Armaturenbrett zeigte kurz nach Mitternacht. Das Radio rauschte leise, aber er hatte es schon fast vergessen. Seine Augenlider wurden schwer, der Kaffee von der Tankstelle längst wirkungslos.
„Noch eine Stunde“, murmelte er. „Dann bin ich zu Hause.“
Er gähnte, rieb sich die Augen – und blickte kurz in den Rückspiegel.
Der erste Blick in den Spiegel
Da saß jemand.
Ein Clown.
Weiß geschminktes Gesicht, ein übertrieben rotes Lächeln, bunte Haare, die im schwachen Licht seltsam matt wirkten.
Martin riss die Augen auf, drehte sich sofort um… doch die Rückbank war leer.
Sein Herz raste. „Einbildung“, sagte er laut. „Ich bin nur müde.“
Er zwang sich, wieder auf die Straße zu schauen. Doch sein Blick wanderte unwillkürlich immer wieder zum Spiegel.
Und jedes Mal, wenn er hinsah, war der Clown wieder da. Starr, unbewegt. Nur verschwunden, sobald er sich umdrehte.
Clown kehrt bei jeder Fahrt zurück
Am nächsten Abend passierte es erneut.
Martin fuhr von der Arbeit nach Hause, diesmal früher. Doch kaum war die Sonne untergegangen, da tauchte die Gestalt wieder im Spiegel auf.
Immer dasselbe Gesicht. Immer dieser Platz auf der Rückbank.
Martin versuchte, es zu ignorieren. Er stellte das Radio lauter, redete mit sich selbst, trank Wasser. Doch der Clown blieb.
„Warum… warum gerade ich?“ flüsterte er.
Einmal meinte er sogar, das leise Quietschen eines Luftballons zu hören, als jemand ihn zusammendrückt. Doch im Auto war niemand.
Die Fahrten werden zum Albtraum
Mit jeder Nacht wurde es schlimmer.
Der Clown rückte näher. Erst saß er in der Mitte der Rückbank, dann direkt hinter dem Beifahrersitz. Immer noch verschwand er, wenn Martin sich umdrehte, doch im Spiegel war er deutlich da.
Manchmal bewegte sich sein Mund, als würde er etwas flüstern. Doch kein Laut drang an Martins Ohr.
Martin konnte sich das alles nicht erklären. Schlaf fand er kaum noch. Die Angst vor jeder Heimfahrt machte ihn krank. Er begann, Umwege zu fahren, wählte beleuchtete Straßen. Doch selbst dort war der Clown da.
Einmal bremste Martin abrupt, stieg mitten auf der Straße aus und riss die Autotür auf. Leer. Nichts als Dunkelheit.
Doch als er wieder ins Auto stieg, grinste der Clown ihn schon im Spiegel an.
Niemand glaubt dem Fahrer
Verzweifelt erzählte Martin Freunden von dem, was er sah. Doch sie lachten nur.
„Zu viele Nachtschichten“, meinte einer. „Du bildest dir das ein.“
„Vielleicht mal weniger Horrorfilme“, sagte ein anderer.
Martin schwieg. Doch in seinen Augen lag blanke Panik.
Eines Nachts nahm er allen Mut zusammen, griff während der Fahrt nach dem Rückspiegel, riss ihn ab und warf ihn aus dem Fenster.
Für wenige Sekunden fühlte er Erleichterung.
Doch dann sah er ihn im Glas des Armaturenbretts. Im Reflex der Seitenscheibe. Im schwachen Glanz der Windschutzscheibe.
Immer da. Immer näher.
Clown hört auf, zu verschwinden
In der letzten Nacht fuhr Martin wieder allein. Der Himmel war wolkenverhangen, der Vollmond verdeckt. Die Landstraße lag schwarz und still vor ihm.
Er wagte nicht mehr in den Spiegel zu sehen, doch er spürte die Präsenz. Ein kalter Hauch im Nacken, ein Gewicht hinter sich.
Langsam, so langsam wie nie, drehte er den Kopf.
Diesmal war die Rückbank nicht leer.
Der Clown saß dort, real, greifbar, mit einem roten Ballon in der Hand. Und er verschwand nicht mehr.
Martin schrie, das Auto geriet ins Schleudern, krachte gegen die Leitplanke. Metall kreischte, Glas splitterte.
Als die Polizei am Morgen den Wagen fand, war Martin tot. Die Ursache: unklar.
Doch auf der Rückbank lag ein roter Ballon. Unversehrt und prall gefüllt.
