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Der verschlossene Flur: Neue Angestellte verliert den Verstand

Neue Angestellte beginnt ihren Dienst

Die alte Klinik lag am Rand der Stadt, ein grauer Bau aus den fünfziger Jahren, mit langen Gängen, deren Neonlicht unaufhörlich flackerte. Hier begann Mara ihren neuen Job als Pflegerin. Sie war jung, motiviert, froh über die Anstellung.

Schon am ersten Tag fiel ihr ein Bereich auf, der sich von den anderen unterschied: Am Ende eines Hauptflurs endete der Gang abrupt. Eine nackte Wand aus grauen Ziegeln verschloss, was früher einmal eine Tür gewesen sein musste.

„Da geht’s nicht weiter“, erklärte Schwester Ilse knapp, als Mara neugierig fragte. „Seit Jahrzehnten zugemauert.“

„Warum?“ wollte Mara wissen.

Ilse zuckte die Schultern. „Man spricht nicht darüber.“

Mara ließ sich nichts anmerken, aber das Bild der zugemauerten Tür ließ sie nicht los.

Erste Nächte voller unheimlicher Geräusche

Ihr erster Nachtdienst kam schneller als gedacht. Der Korridor war still, nur das Summen der Neonröhren zu hören. Mara ging ihre Runden, kontrollierte die Patientenzimmer, alles war ruhig.

Dann hörte sie es.

Ein Kratzen. Langsam, unregelmäßig. Als ob Nägel über Stein strichen.

Es kam vom zugemauerten Flur.

Mara blieb wie angewurzelt stehen, das Herz hämmerte. Da folgte ein Schrei – dumpf, erstickt, von der anderen Seite der Wand.

Sie rannte ins Stationszimmer, erzählte Schwester Ilse davon. Die lachte nur bitter. „Willkommen im Nachtdienst. Das hörst du öfter. Am besten ignorierst du es.“

Doch Mara konnte es nicht ignorieren. Die Schreie hallten in ihrem Kopf nach, noch lange, nachdem sie aufgehört hatten.

Die Wahrheit wird verschwiegen

Mit den Wochen wurde es schlimmer. Fast jede Nacht hörte Mara die Geräusche: Kratzen, Pochen, manchmal leises Wimmern.

Sie fragte die anderen Kollegen. Die meisten wichen aus, lachten nervös oder wechselten das Thema. 

Nur ein alter Pfleger, Herr Scholz, murmelte einmal: „Früher war dort die Isolierstation. Wer zu laut war, wer zu wild war… man hat ihn einfach dort eingesperrt. Irgendwann wurde der Flur zugemauert. Und die Stimmen sind geblieben.“

Mara schüttelte den Kopf. „Geistergeschichten.“

Doch tief in ihrem Inneren zweifelte sie. Denn die Stimmen klangen zu echt.

Manchmal glaubte sie sogar, ihren Namen zu hören.

Angestellte verliert den Schlaf

Sie begann, schlecht zu schlafen. Nach den Nachtdiensten lag sie in ihrer kleinen Wohnung wach, lauschte noch immer dem Kratzen.

In der Klinik fühlte sie sich verfolgt. Schatten huschten über die Wände, Türen knarrten ohne Grund.

Einmal schwor sie, im Augenwinkel eine Hand gesehen zu haben, die aus der Mauer ragte – nur für den Bruchteil einer Sekunde.

„Du siehst übermüdet aus“, bemerkte Schwester Ilse. „Nimm dir frei.“

Doch Mara schüttelte den Kopf. Sie musste wissen, was es mit dem verschlossenen Flur auf sich hatte.

Die Wahrheit war zum Greifen nah – direkt hinter der Wand.

Der letzte Nachtdienst

Eines Nachts beschloss sie, allein zu bleiben. Sie nahm eine Taschenlampe, stellte sich an die zugemauerte Stelle und wartete.

Die Schreie begannen kurz nach Mitternacht. Laut, verzweifelt, wie von Dutzenden Kehlen. Nägel kratzten, Steine splitterten.

Mara trat näher. Sie legte die Hand auf die Wand – und spürte Wärme. Etwas pochte dahinter, als schlüge dort ein Herz.

„Lasst mich rein…“, flüsterte sie, ohne es zu wollen.

Da sprang die Neonröhre über ihr mit einem Knall. Für einen Moment war alles schwarz.

Als das Licht wieder aufflackerte, war Mara verschwunden.

Die Klinik hat eine neue Patientin

Am Morgen fanden die Kollegen ihre Taschenlampe auf dem Boden, das Glas zerbrochen. Von Mara keine Spur.

Doch auf der Station hörten die Patienten etwas Neues. Aus dem verschlossenen Flur kamen nun nicht nur Schreie – sondern auch eine klare, weibliche Stimme.

Sie rief immer wieder denselben Namen: Mara.

Und manchmal, wenn neue Angestellte vorbeigingen, hörten sie ein Kichern. Ein Kichern, das eindeutig von dieser Seite der Wand kam.

Die Klinik bekam nie wieder eine Antwort auf Maras Verschwinden. Doch manche schwören: Hinter dem zugemauerten Gang ist eine neue Stimme dazugekommen. Und sie klingt, als wäre sie dort, um für immer zu bleiben.

Portrait des Autors
Autor · SEO · Nerd

Matt Pülz

Matt ist SEO mit einer Leidenschaft für das Schreiben. Er liebt Horrorgeschichten und kreatives Schreiben im Allgemeinen.

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